Was bisher geschah

zur Situation in Südniedersachsen

Die EDEKA-Tochter Netto: Netto ist als Tochter des EDEKA- KONZERNS mit ca. 60.000 Beschäftigten in ca. 4.000 Filialen und 18 Lagern der drittgrößte Lebensmitteldiscounter in Deutschland. Mittlerweile beschäftigt Netto an die 7.000 Azubis. Obwohl das Unternehmen bundesweit durch ver.di in die Tarifbindung gezwungen werden konnte, werden tarifliche aber auch gesetzliche Standards systematisch unterlaufen. Willkür, Arbeitsdruck, täglich unbezahlte Überstunden, keine Pausen und hohe Arbeitsverdichtung belastet die Mehrheit der Beschäftigten. Sowohl die physische als auch die psychische ist hoch bis hin zu Zusammenbrüchen Einzelner. Der zuständige Betriebsrat für Südniedersachsen sitzt in Hamm und unterstützt die KollegInnen mäßig bis gar nicht. In der Region Südniedersachsen arbeiten ca. 200 Beschäftigte über ca. 80 km verstreut und in hoher Fluktuation. Das heißt, meist ist nur die Marktleitung Vollzeit angestellt. Die übrigen Mitarbeiter sind geringfügig Beschäftigte, Azubis und vereinzelt noch Beschäftigte die früher bei PLUS gearbeitet haben. Die alten Plus Beschäftigten berichten, dass sie bei Netto als zu teuer gelten und deshalb unter Druck stehen ihre Stunden zu reduzieren oder zu kündigen.


Die ver.di-Aktivitäten

Seit 2011 sind ver.di KollegInnen für gute Arbeitsbedinungen aktiv. Sie treffen sich regelmäßig und tauschen sich über die Probleme bei Netto aus. Seit Mitte 2011 setzen sie Netto durch öffentliche Aktionen unter Druck, damit das Unternehmen sich an die geltende Gesetze und Tarifverträge hält. Dies haben sie in Göttingen bereits an vielen Stellen erreicht. Unterstützt werden sich dabei von einem Netz aus PatInnen (Öffentlichkeit und Politik). Anfang 2012 wurden aus dem Kreis der aktiven KollegInnen 8 KollegInnen als Vertrauensleute gewählt. Sie sind bundesweit die ersten Vertrauensleute im Discounterbereich und machen damit auch in diesem Bereich ver.di im Betrieb lebendig.


Reaktionen von Netto

Netto macht die Göttinger Aktivitäten zunächst zur Chefsache, es kommt im August zu Verhandlungen in Göttingen zwischen ver.di und Netto. Der bundesweite Personalleiter sagt zu, die Probleme, die allesamt reine „Einzelfälle“ seien, abzustellen. Die ver.di Aktiven geben, der Geschäftsleitung 2 Mal 4 Wochen Zeit, um die Probleme abzustellen. Da Netto jedoch seine angekündigte flächendeckende Umsetzung der Tarifverträge und Arbeitsschutzgesetzte nicht einhält, kommt es wieder zu Aktionen. Das Management bricht daraufhin im August 2011 die Gespräche mit den ver.di Aktiven ab. Die Einhaltung bestehnder Reglungen muss vor Ort immer wieder in Einzelfällen durchgesetzt werden.

Bei einer Aktion im Oktober erteilt Netto allen ver.di Mitgliedern pauschal Hausverbot, viele PolitikerInnen des nieders. Landtags und aus der Region Göttingen schreiben Protestbriefe an die EDEKA Zentrale.

Als neue Personalkostensenkungs- Maßnahme setzt Netto bundesweit über 6000 Azubis in den Filialen ein. Diese berichten davon, dass sie keine Ausbildung gemäß Berufsbildungsgesetz erhalten sondern vielerorts als Vollzeitkräfte und Marktleitungen eingesetzt werden. Die Vertrauensleute organisieren daher vor allem Azubis in Göttingen und gehen im Juni 2012 mit einem RTL Bericht erneut an die bundesweite Öffentlichkeit.

Dokumentation der Aktivitäten

Mai 2011 gehen wir das erste Mal an die Öffentlichkeit:

und:

Mai 2011 bei Frontal 21/ZDF ein bundesweiter Bericht:

Oktober 2011: es kommt zu einem elektrisierenden Zusammenschluss der Netto Aktiven mit den Beschäftigten eines privatisierten Edekaners, die um die Tarifbindung kämpfen und diese, nicht zuletzt aufgrund dieser Aktion, auch erreichen:

Januar 2012 werden die ersten bundesweiten Vertrauensleute im DiscounterBereich gewählt, welche Frank Bsirkse der Öffentlichkeit vorstellt:

Juni 2012 berichtet RTL über die Ausbildungsbedinunugen bei Netto:


Fazit:

Mit ihrer Standfestigkeit über mehr als ein Jahr, werden die Netto Vertrauensleute zu einem Leuchtturm, auch für Netto-KollegInnen an anderen Orten. Im April 2012 besuchen sie an einem Sonntag eine Mitgliederversammlung in Essen und stellen dort die Idee vor, Vertrauensleute zu wählen. Auch in anderen Regionen der Republik überlegen Netto Beschäftigte, es den Göttinger/innen nach zu tun.

Der Angriff von Netto/EDEKA

Wie reagiert Netto zunächst auf diese neue Kultur gewerkschaftlicher Präsenz?
Von Januar bis Mai versucht Netto, die Vertrauensleute zu isolieren und unter Druck zu setzen. Zentrum der bisherigen Aktivitäten ist Göttingen, da hier die PatInnen aus Politik sowie allgemeine politische Öffentlichkeit sowie die Mehrheit der Vertrauensfrauen aktiv sind.
Im Juli 2012 schließt Netto dann innhalb von vier Wochen vier der sieben Filialen in Göttingen. Die Schließung gehen ohne Ankündigung von statten. Jeweils an einem Samstag werden die Beschäftigten über die Schließung informiert und müssen helfen, die Waren aus den geschlossenen Filialen zu transportieren. Kunden und Beschäftigte werden von den Aktionen jeweils völlig überrascht.

Anzahl der Filialen in der Stadt Göttingen Mai 2012: 7 Filialen, ca. 90 Beschäftigte.
Anzahl der Filialen Anfang Juli: 3 Filialen.

Die 90 Beschäftigte verteilen sich nun auf 3 Filialen.Es gibt großen Druck so genannte „Minusstunden“ zu machen, da die Filialen mit sehr vielen KollegInnen besetzt sind.

ver.di mobilisiert zu mehreren Protestkundegebungen, in der das Vorgehen von Netto, dass das Betriebsverfassungsgesetz missachtet, kritisiert wird. An den Kundgebungen nehmen viele UnterstützerInnen teil. Die KundInnen solidarisieren sich mit den betroffenen Beschäftigten.

Protestkundgebungen gibt es am 23. Juni
http://www.hna.de/nachrichten/landkreis-goettingen/goettingen/netto-zwei-filialen-dicht-2346959.html

Netto schließt eine Woche später, am 30. Juni 2012, zwei weitere Innenstadt- Filialen, wieder überfallartig
http://www.hna.de/nachrichten/landkreis-goettingen/goettingen/netto-macht-wieder-zwei-filialen-2374582.html

Am 10. Juli kommt es zum dritten Mal in 2012 eine der verbleibenden Filialen (Prinzenstraße) zu einem Raubüberfall. Ver.di fordert Netto auf, endlich Wachpersonal einzustellen, Minusstunden zu unterlassen und Klarheit über die Zukunft der Beschäftigten zu geben:
http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Goettingen/Uebersicht/Kritik-an-Netto-nach-Ueberfall

http://www.hna.de/nachrichten/landkreis-goettingen/goettingen/aerger-minusstunden-2389056.html

Was passiert nun mit den KollegInnen aus den geschlossenen Filialen? Netto hat im Vorfeld bewusst darauf verzichtet, sich darum zu kümmern, wo die KollegInnen aus den geschlossenen Filialen zukünftig eingesetzt werden.

Am 12. Juli gibt es von EDEKA endlich eine Zusage, dass wenigstens die verbliebenen drei Filialen erhalten bleiben sollen. Nun müssen Lösungen für die KollegInnen aus den geschlossenen Filialen gefunden werden. Ver.di fordert, dass es keine Kündigung gibt und die Versetzungen gemeinsam mit den KollegInnen sozialverträglich organisiert werden. Es muss um jeden Preis vermieden werden, dass die anstehenden Versetzungen erneut zur Einschüchterung genutzt werden.

Das Vorgehen von EDEKA/Netto, lässt ver.di befürchten dass die Schließungen ein Angriff auf gewerkschaftliche Aktivitäten sind und nicht einfach wirtschaftliche Entscheidungen. Bundesweit gibt es aktuell nach Kenntnis von ver.di keine vergleichbare Schließungswelle. Der massive Reduzierung der Filialpräsenz in der größten Stadt in Südniedersachsen wird zu lokalen Marktverlusten für Netto führen. Einzelnen Stadtteilen in Göttingen fehlt nun ein Nahversorger für Lebensmittel.

Am 23. Juli ist der blog www.neulich-bei-netto.de online gegangen. Alle Ergeignisse werden seitdem auf der Startseite dokumentiert.

(C) 2012 Ver.di Niedersachsen/Bremen - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 21.04.2017